Königliche Dörfer, Reichspflege

Dorfstraße mit Backöfen und Gärten an der Straßenfront

Da diese Dörfer nun wieder zum Reichsgut zurückgefallen, also dem Kaiser bzw. König direkt unterstellt waren, sprach man in der Folgezeit vielfach von den so genannten "Königlichen Dörfern". Sie bildeten herrschaftlich eine Einheit und standen unter der Schutzherrschaft eines kaiserlichen Amtmanns, eines Pflegers, der meist ein verdienter Zugehöriger zu dem umliegenden Ortsadel war (Salacher, Treuchtlinger, Schenken von Geyern u.a.) und seinen Sitz in Weißenburg hatte. Dieser mit der Verwaltung beauftragte Pfleger übte auch die Vogtei (Gerichtsbarkeit) in besagten Ortschaften aus.

Eigene Dorfgerichte, in denen Recht gesprochen wurde, sind für Kaldorf und Biburg bezeugt. Im Laufe der Zeit versuchte nun die Stadt Weißenburg selbst, dass sie mit der Herrschaft über die dem Reich unmittelbar unterstehenden Orte, die sog. Reichspflege, betraut wurde. Und tatsächlich gelang es 1534 Weißenburg, die zu dieser Zeit gerade der Reichsstadt Donauwörth verpfändete Reichspflege über die königlichen Ortschaften gegen die Zahlung eines Pfandpreises von 5200 Gulden an den Kaiser auf einen Zeitraum von 15 Jahren an sich zu bringen, In der Folgezeit wurde dieser jeweils auf 15 Jahre laufende Pfandvertrag mehrmals erneuert. Unsere Dörfer unterstanden also verwaltungsmäßig der Stadt Weißenburg, die eigens für die Angelegenheiten der Reichspflege einen Reichspflegerichter bestellte. Dieser sorgte für die ordnungsgemäße Einhaltung des Dorfrechts, die Ausführung amtlicher Verordnungen, die Entrichtung der Steuern usw. Natürlich hatte die landesherrschaftliche Abhängigkeit von Weißenburg auch Folgen im Bereich des Glaubens, denn in der freien Reichsstadt hatte bereits 1524 die neue Lehre Martin Luthers Eingang gefunden, und man bemühte sich, die Reformation auch auf die Gebiete der Untertanen auszudehnen.

Der Bischof von Eichstätt hatte aber schon lange Zeit vorher das Gebiet der Reichspflege im Auge. Es lag mitten in seinem Hochstiftsbereich eingebettet. Eine eventuelle Einverleibung in das Hochstift beseitigte so nicht nur durch die Reformation hervorgerufene religiöse Sorgen, sondern sie bedeutete auch die Abrundung des bischöflichen Herrschaftsbereiches. Schon 1473 war dem Bischof von den Kurfürsten die Reichspflege zugesagt worden, aber es blieb bei einer Zusage. Beim Kaiser selbst hatte sich schließlich die Reichsstadt Weißenburg durchgesetzt. Nun kam man aber wieder auf die alte Zusage von 1473 zurück. Während des 30-jährigen Krieges wurde nämlich unter Berufung auf diese Zusage im Jahre 1629 (Restitutionsedikt) die Reichspflege der Stadt Weißenburg entzogen und dem Hochstift Eichstätt übertragen

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Teilung der Reichspflege

Dorfschmiede mit Unterstand zum Beschlagen von Pferden und Ochsen

Die Zugehörigkeit zu Eichstätt währte aber nicht lange. Nach Kriegsende kam nach Artikel V - 9 und 26 des Friedens von Münster und Osnabrück (Westfälischer Frieden) die Reichspflege 1651 wieder an Weißenburg zurück. Die katholisch gebliebenen Ortschaften Kaldorf, Petersbuch, Heiligenkreuz und Biburg fühlten sich aber unter der Weißenburger reichsständischen Herrschaft nicht recht wohl. Es kam zu zahlreichen Beschwerden und Streitigkeiten über Rechte, Steuern usw. Nach längeren Verhandlungen wurde 1664 ein Vergleich über die Rechte und Pflichten der königlichen Dorfschaften geschlossen. Die Streitigkeiten gingen aber weiter, bis endlich 1679 eine kaiserliche Kommission nach Weißenburg kam und eine Teilung der Reichspflege erwirkte. Die evangelischen Orte Wengen und Rohrbach blieben bei Weißenburg. Die katholischen Dörfer aber (Kaldorf, Petersbuch, Heiligenkreuz, Biburg) gingen gegen eine Bezahlung von 4000 Gulden am 20. Juli 1680 endgültig an das Hochstift Eichstätt über. Sie wurden in das Pfleg- und Vogtamt Titting-Raitenbuch eingegliedert.

Die Verantwortung über dieses Vogtamt, das die hohe und niedere Gerichtsbarkeit über den Amtsbereich von Raitenbuch bis Euerwang, Eibwang, Pfahldorf und Sornhüll innehatte und auch die Steuerbehörde für die Orte in diesem Gebiet darstellte, hatten ein adeliger Pfleger mit Sitz in Eichstätt und ein Amtsvogt, der in Raitenbuch residierte. 2 Schreiber erledigten die Amtsschreibereien. Mit dem Ende des Hochstifts Eichstätt (Aufhebung der geistlichen Fürstentümer 1803, Säkularisation) war auch das Ende des Vogtamts Titting-Raitenbuch gekommen. Das ehemalige Fürstentum Eichstätt kam an den Erzherzog Ferdinand von Österreich als Ersatz für das verloren geganene Großherzogtum Toskana. Aber bereits 1806 fiel das Eichstätter Land an Bayern zurück. Damit war es mit der Reichsunmittelbarkeit vorbei. Diese schien aber doch noch einmal erreichbar zu sein, als König Maximilian Joseph I. von Bayern im Jahre 1817 das Fürstentum Eichstätt schuf, um es einem Schwiegersohn Eugen Beauharnais, dem Stiefsohn Napoleons, zu übergeben. Dieser erhielt den Titel: Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt. 1855 wurde das Fürstentum Eichstätt wieder aufgelöst und das Land endgültig mit Bayern vereinigt.

Nach verschiedentlich geänderten Kreiseinteilungen (Altmühlkreis, Oberdonaukreis, Rezatkreis) kamen unsere Dörfer 1879 zu dem neu gebildeten Bezirksamt Hilpoltstein (Regierungsbezirk Mittelfranken). Die umfassende Gebietsreform der letzten Jahre brachte eine letzte Änderung: Kaldorf, Petersbuch und Heiligenkreuz wurden dem Landkreis Eichstätt angeschlossen und am 1. Juli 1972 dem Regierungsbezirk Oberbayern eingegliedert. Auch auf gemeindlicher Ebene ergaben sich nach 1806 einige Veränderungen. 1808 wurden Petersbuch und Heiligenkreuz dem Steuerdistrikt Kaldorf zugeordnet. 1811 bildeten alle 3 Orte gemeinsam eine Ruralgemeinde (d. h. ländliche Gemeinde). Aber bereits 1818 kam wieder die Auflösung. Nun sollte sogar Heiligenkreuz eine eigene Gemeinde werden. Aber mit Wirkung vom 17.08.1818 wurden nun doch Petersbuch und Heiligenkreuz zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Diese Verhältnisse hatten Über 160 Jahre lang Bestand, bis die Gemeinden Kaldorf und Petersbuch am 01. Mai 1978 ihre Selbständigkeit verloren und der Großgemeinde Titting einverleibt wurden.

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