50-jähriges Fahnenweihjubiläum

Die Ortstafeln, die an den beiden Einfahrtstraßen die Besucher von Kaldorf begrüßen, ließen es schon sehr früh jedem Vorbeifahrenden wissen: Hier wird vom 9. bis zum 12. Juni ein großes Schützenfest gefeiert.

Die Vorbereitungen waren bereitsin die „heiße Phase“ gelaufen, und innerhalb des Festausschusses wurden mehrere Arbeitskreise gegründet; waren es doch nicht wenig Themen, mit denen sich das Gremium befasste.
Da musste zum Einen das Preisund Jubiläumsschießen organisiert, und die ersten Vorbereitungen zur automatischen Auswertung getroffen werden. Denn auch im Schützensport hat mittlerweile die Elektronik längst Einzug gehalten. Und zum Anderen war der Festbetrieb, der geplant werden sollte.
Zwei besondere „Highlights“ jedoch, die jedem Besucher lange in Erinnerung bleiben sollten, wurden mit einer besonderen Akribie bearbeitet. Aber hierzu später.


Eröffnungsschießen


Am 19. März 2005 eröffnete der Verein mit dem Eröffnungsschießen das Preisund Jubiläumsschießen. Schützenmeister Alfred Regler begrüßte in der voll besetzten Vereinswirtschaft Nieberler in besonderer Weise den Schirmherrn des Festes. Kein Geringerer als Landrat Dr. Xaver Bittl hatte sich dazu bereit erklärt, dieses Amt zu übernehmen.

Im Anschluss durften alle Gäste am Schützenstand einen Schuss auf die Eröffnungsscheibe,
die den heiligen Sebastian neben der Kaldorfer Pfarrkirche St. Andreas abbildet, abgeben. Die ruhigste Hand hatte Festausschussmitglied und Volkstanzleiter Hans Meng, gefolgt von Vereinswirt Rupert Nieberler und Sportleiter Thomas Regler. An weiteren 24 Schießtagen hatten die 803 teilgenommenen Schützen bis zum 24. April Zeit einen der Gewinne im Gesamtwert von über 16.500 € zu erringen.


Festtage vom 09. bis 12. Juni 2005


Der erste Festtag startete bereits mit dem ersten „Highlight“. Unter dem Motto „Super-Musik, Spaß und Lebensfreude“, durften wir in Kaldorf einen ganz besonderen Gast begrüßen: Hans-Jürgen Buchner, oder besser bekannt als „Haindling“, gab an diesem Abend ein Konzert der besonderen Art. Seit nun mehr 28 Jahren eine der ersten Adressen in der bayerischen und bundesweiten Musikszene startete die Band ihre Sommertournee in Kaldorf.
2000 begeisterte Besucher aus Nah und Fern wollten sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen – darunter auch Kultusminister Siegfried Schneider und Landrat Dr. Xaver Bittl. Wer kennt sie nicht, Stücke wie „Lang scho nimmer gsehn“ und „Paula“, die mittlerweile zum „bayerischen Kulturgut“ zählen, wie Eva Chloupek vom EICHSTÄTTER KURIER feststellt. Nicht nur die Klassiker gab die Band zu Ihrem Besten, auch Neueres wurde vorgestellt und so mancher kritischer Kommentar in der Haindling- typischen Art vorgetragen. Eine gewisse Art von Wehmut verspürte das Publikum dann doch, als um 23:00 Uhr die Band zum letzten Song des Abends aufspielte, bis dann, gegen 23:30 Uhr,
auf der Bühne sprichwörtlich die Lichter ausgingen.

Für die Ortschaft Kaldorf, aber auch für die nähere Umgebung war dieser Gastauftritt eine wahre Bereicherung und blieb mit Sicherheit jedem lange in Erinnerung. Der Freitag widmete sich ganz dem jungen Publikum. Die Rockband „Bad-Touch“, allesamt junge und sehr erfolgreiche Musiker aus der Nähe von Hilpoltstein, bot Cover- Rock vom Feinsten und heizte den Jugendlichen reichlich
ein. An die 1.700 Besucher konnte man an diesem Abend zählen.

Der zweite Paukenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Mit dem Wortspiel „Wir sind steinreich“ brachte es der Schirmherr und Landrat Dr. Xaver Bittl beim „Tag des Steines“, zu dem die Bergschützen geladen hatten, auf den Punkt. Der Steinindustrie, als eine der wesentlichen Stützpfeiler der heimischen Wirtschaft nördlich von Eichstätt, gebührte dieser Tag. Nicht nur der Landrat hob in seiner Ansprache die Wichtigkeit dieses Industriezweiges heraus. Auch Bürgermeister Martin Heiß gab sich vor den geladenen Festgästen von der Bedeutung dieser Branche überzeugt. Als Laudator zum Festakt konnte Studiendirektor a.D. und Heimatforscher Konrad Kögler gewonnen werden, der mit fundiertem Wissen über die Geschichte des Steinabbaus und der damit verbunden Industrie in seiner amüsante Art, eben dem Kögler’schem Humor entsprechend, das Publikum in den Bann zog.

Im Anschluss an die Eröffnungsfeier öffneten sich die Pforten für die Öffentlichkeit.
Hunderte von Menschen aus allen Gegenden nutzten die Gelegenheit, einmal mehr über das Produkt
„Stein“, dessen Geschichte, sowie den Abbau und die Be- und Verarbeitung zu erfahren. Das Angebot der Information war überaus reichhaltig: Einen besonderen Einblick in die Geschichte des Steinabbaus vermittelte die Ausstellung in der Festhalle des Vereinswirts Nieberler. Zahlreiche Illustrationen dokumentierten übersichtlich und chronologisch aneinander gereiht die Arbeitsweisen zu jeder Epoche. Originalwerkzeug vermittelte, wenn auch nur oberflächlich, einen Eindruck über die harte Arbeit von damals. Beiträge des Künstlers Konrad Risch untermalten zusätzlichmdie Ausstellung und gaben ihr ein harmonisches Gesamtbild. Im Eingangsbereich wurden dem Besucher Produkte aus Stein zum Kauf angeboten und in den Außenflächen stand ein moderner Fuhrpark zur genauen Betrachtung parat.
Die Krönung des Ganzen waren letztendlich die Führungen durch die Brüche und der verarbeitenden Industrie, die dem Besucher kostenlos angeboten wurden. In einem Art Shuttle-Bus System transferierten drei Busse nonstop die Besucher über die Steinbrüche von Kaldorf und Petersbuch. Kreisrat Johann Bauernfeind stellte sich als Fachkundiger zur Verfügung und erklärte im Bus den täglichen Ablauf im Steinbruch, während die abgestellten Firmen eigens ihr Personal für diesen Tag arbeiten ließen. Damit wurde ein recht authentischer Eindruck vermittelt, der sich in der Betriebsbesichtigung einer nahe gelegen steinverarbeitenden Firma fortsetzte.

Für die Branche stellte sich der „Tag des Steines“ als wahre Bereicherung heraus, der – einmal mehr – zur transparenten Darstellung dieses nicht unbeutenden Industriezweigs in dieser Region beigetragen hat.


Mit der Einholung des Patenvereins und des Schirmherrn begann dann ab 18:00 Uhr der offizielle Festbetrieb. Landrat Dr. Xaver Bittl stach das erste Fass in nur zwei Schlägen an und konnte zugleich schon jede Menge Besucher im Festzelt begrüßen. Im Anschluss folgte ein Tag der Betriebe, der vornehmlich der Natursteinindustrie und des Marktes Titting galt. Ehemalige Kaldorfer, aber auch Petersbucher und Heiligenkreuzer durften hier nicht fehlen. Unter der musikalischen Begleitung der Oktoberfestkapelle Heinz Müller aus Ruhmannsfelden klang der ereignisreiche Tag mit einem Fest- und Unterhaltungsabend aus.

Der Sonntag startete recht früh. Bereits um 07:00 Uhr spielte die Blaskapelle Petersbuch zum musikalischen Weckruf auf. Ein – einhalb Stunden später gedachte die Versammlung der Toten im Kaldorfer Friedhof. Schützenmeister Alfred Regler und 2. Schützenmeister Josef Geyer legten in Gedenken an die Verstorbenen einen Kranz nieder. Nach dem Kirchenzug zum Festplatz und dem Einzug in das Festzelt feierte die Kirchengemeinde ihren
Festgottesdienst, den Ortspfarrer Josef Vollnhals zelebrierte.

Minute für Minute füllte sich nach dem Mittagessen der Festplatz. Die Gäste der 69 geladenen Vereine fanden sich ein und immer mehr Besucher säumten die Straße im Ort. An die 2.000 Schützen und 2.500 Besucher dürften es gewesen sein, die die 300 Seelen Gemeinde aus allen Nähten zum Platzen gebracht haben. Punkt 13:00 Uhr setzte sich der große Festzug in Bewegung, der sich über das Unterdorf zum Oberdorf und wieder zurück zog. Die Straßen waren übervoll von Besuchern. Von überwall winkte man dem farbenfrohen Festzug zu, der neben den marschierenden Schützen auch Gartenbauvereine, die in mit Blumen geschmückten Gefährten und Gefäßen ihren Verein repräsentieren, zeigt. Auch Feuerwehren sowie Sport- und Gesellschaftsvereine durften nicht fehlen. Der Zug war so lang, dass die ersten Vereine im Festzelt eintrafen, obwohl der Rest noch gar nicht zu marschieren begonnen hatte. Nach Grußworten und Ansprachen der Ehrengäste folgte die Verleihung der Erinnerungsbänder sowie die Übergabe der Patengeschenke. Werner Ruppert, Schützenmeister der „Jura-Höhe“ Rupertsbuch, überreichte eine handgemalteSolnhofener Uhr mit dem Motiv des Schützenhauses. Ebenfalls aus Stein, aber
deutlich schwerer war das Patentgeschenk der Kaldorfer Schützen. Eine Ruhebank mit Steinsockel und Holzsitzfläche soll zukünftig neben dem Wappen des Vereins am Schützenhaus der „Jura- Höhe“ einen geeigneten Platz finden. Die Verteilung der Sachpreise des Preis- und Jubiläumsschießen erfolgte im Vereinslokal etwa zur gleichen Zeit. Zahlreiche Schützen hatten sich dort eingefunden. Unter ihnen – sichtlich stolz - Hans Beck vom Schützenverein „Morsbachtal“ Morsbach, der mit einem 17,3 Teiler nicht nur die von Schirmherr und Landrat Dr. Xaver Bittl gestiftete Festscheibe, sondern auch ein vom Bräu Fritz Gutmann gespendetes Luftgewehr entgegen nehmen konnte.

Die Stunden vergingen wie im Flug und so neigte sich das Schützenfest mit der Ehrung verdienter Mitglieder langsam dem Ende zu.
Für 50-jährige Mitgliedschaft wurden die Wiedergründungsmitglieder Anton Weidenbörner, Johann Risch, Konrad Risch, Josef Englhardt, Heinrich Nieberle, Hans Lang und Xaver Meyer geehrt.
Andreas Kirschner, Josef Böhm, Xaver Gerner und Matthias Kirschner erhielten eine Urkunde für 25 Jahre Mitgliedschaft bei den Bergschützen.
Das Protektoratsabzeichen in Gold wurde an Lorenz Geyer, Jörg Eder, Josef Geyer, Monika Zengerle, Karl Kirschner, Helmut Öchsel, Xaver Stahr und Thomas Regler vergeben. Abschließend überreichte Gauschützenmeister Karl Renn den Schützen Christina Stahr, Markus Bittl, Sonja Bittl und Eva- Maria Regler für deren sportlichen Ehrgeiz bis hin zur Deutschen Meisterschaft die Ehrennadel des Gaues Eichstätt.

Zu später Stunde zog die amtierende Königin Heidi Melerski die Gewinner der Verlosung, bis dann der Festabend unter Begleitung der Festkapelle Petersbuch gemütlich ausklang.

Sage und schreibe 160 fleißige Helfer haben für diese Meisterleistung freiwillig ihre Freizeit geopfert. Für die kleinen Juradörfer Kaldorf, Petersbuch und Heiligenkreuz spektakulär. Der Zusammenhalt wurde dadurch unwahrscheinlich
gestärkt und hat wesentlich zur positiven Entwicklung des Vereins, aber auch des gesamten Dorflebens beigetragen.