Gründungszeit bis zum 1. Weltkrieg

Im Jahr 2010 konnten die Bergschützen Kaldorf Ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum mit einem dreitägigen, vom 18.- 20. Juni 2010 stattfindenden Fest feiern.

 

Ein wahrhaft stolzes Alter, zu dem es sich lohnt, die Geschichte des Vereins näher unter die Lupe zu nehmen, um zugleich einen Blick in die wechselvolle Geschichte des Jubelvereins zurückzuwerfen.

Niemand weiß mehr genau, wann und wo man auf den Gedanken kam, auch in Kaldorf wie im benachbarten Titting einen eigenen Schützenverein zu gründen. Vereinsgründungen brauchen eben ihre Zeit, und so mag das Tittinger Vorbild auf alle Fälle für die Kaldorfer Pate gestanden haben. Wenn wir aber das alte, vergilbte Schießbuch zur Hand nehmen, können wir wenigsten das Datum ermitteln, an dem die Kaldorfer Schützen sich zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Schießen zusammenfanden.
12 Schützen waren es, die sich am 16. Mai, dem Johannes Nepomuktag, 1910 im Garten der Gastwirtschaft Nieberler (Brui) trafen und bei einem Sternschießen ihre Künste maßen. Es waren aber beileibe nicht alles Kaldorfer. Vier Gäste hatten sich aus Titting eingefunden, sozusagen die Paten, als der junge Verein aus der Taufe gehoben wurde. Dem Schießbuch sind die Namen Würsching, Gebhard, Pfaller und Josef Geyer zu entnehmen. Aber auch ein Eichstätter war dabei, ein Herr Gruny, Büchsenmacher von Beruf, wie aus einem späteren Eintrag ersichtlich ist. Er wird wahrscheinlich das neue Gewehr mitgebracht und vorgestellt haben. Natürlich zeigte er den Kaldorfern sogleich seine Künste. Doch damit konnte er wohl nicht sonderlich beeindrucken, denn unter den Anwesenden waren passionierte Jäger, die eine sichere Hand und ein geübtes Auge inne hatten.

Uns geht es hier aber weniger um das Ergebnis dieses 1. Schießens, sondern um die Namen der Kaldorfer Schützen, die sich daran beteiligten. Denn erstens können wir so die Gründungsmitglieder ermitteln und zweitens bekommen wir einen Aufschluss über die soziologische Struktur des neugegründeten Vereins.
Was heißt das? Es ist doch interessant, wer die Träger des Schützenvereins damals waren, übrigens des 1. nichtreligiösen Vereins in Kaldorf überhaupt. Heute steht die Mitgliedschaft in einem Schützenverein jedem offen, der Freude am Schießsport hat. Ein bunt gemischtes Völkchen setzt sich
somit zusammen. Die ältere Generation trifft auf die Jugend von heute und Damen sowie Kinder (sie dürfen mit Ausnahmeerklärung ab dem 10. Lebensjahr schießen) kämpfen gemeinsam mit gutem Erfolg um die Punkte.

Wie aber war es damals anno 1910? Schauen wir uns die im Schießbuch verzeichneten Namen etwas genauer an! Achten wir auch auf den Beruf! In alphabetischer Reihenfolge lassen sich auf diesem Weg folgende Gründungsmitglieder ermitteln:

• Josef Böhm (Böhm I), Kaldorf Nr. 29, Bauer, verheiratet, 29 Jahre
• Josef Böhm (Böhm II), Kaldorf Nr. 24, Bauer, verheiratet, 41 Jahre
• Johann Nieberler, Kaldorf Nr. 40, Wirt und Bauer, verheiratet, 49 Jahre
• Rupert Nieberler, Kaldorf Nr. 47, Bauer, verheiratet, 36 Jahre
• Franz Xaver Risch, Kaldorf, Nr. 58 Maurer, verheiratet, 38 Jahre
• Nikolaus Stahr, Kaldorf Nr. 14, Bürstenmacher, verheiratet, 39 Jahre
• Wunibald Weidenbörner, Kaldorf Nr. 1, Schmied, verheiratet, 30 Jahre

Auf den ersten Blick fällt bereits auf, dass es sich von der Gründung her um einen ursprünglich Kaldorfer Verein handelt, und das sollte bis in die späten 30iger Jahre so bleiben. Die Schützen aus Petersbuch waren schon vorher Mitglieder der Tittinger Feuerschützengesellschaft. Weiterhin mag vielleicht erstaunen, dass es sich durchweg um gestandene Mannsbilder mittleren Alters handelt, die den Schützenverein ins Leben riefen. Alle waren verheiratete, wohlsituierte Bauern und Handwerker.
Das Schießen war also Männersache, eine etwas exklusive sogar. Wenn ein Taglöhner neben dem Essen 2 Mark Tageslohn bekam und ein Bauernknecht für 300 Mark das ganze Jahr über arbeitete, dann waren z.B. die 1,50 Mark beim Eröffnungsschießen viel Geld für einen Nachmittag. Von dieser finanziellen Seite her ist es dann auch zu verstehen, dass der junge Kaldorfer Schützenverein, er nannte sich offiziell „Zimmerstutzengesellschaft“, ein kleiner Kreis blieb.

Im Ganzen traf man sich im 1. Schützenjahr etwa 10 mal. Genauere Angaben lassen sich nicht machen, da im Schießbuch bei 95% der Eintragungen das Datum fehlt. Nur spärlich wuchs die Mitgliederzahl, und so durfte man Tittinger Schützen, mit „alten Hasen“ wie Gebhard, Pfaller, Engelhard, Hopf, Meyer, Gutmann, sowie Peter und Josef Geyer (letzter aus Petersbuch). Natürlich nahm man die ganze Angelegenheit mehr von der gesellschaftlichen Seite, aber dennoch ist es erstaunlich, dass zwei Kaldorfer (Nikolaus Stahr, Josef Böhm II) die ersten beiden Plätze einnahmen.

Alle einzelnen Schießen in den folgenden Jahren zu analysieren, würde den Rahmen dieses kurzen Abrisses sprengen. Immerhin schlossen sich noch einige jüngere Mitglieder dem Schützenverein an bis der Ausbruch des 1. Weltkrieges dem Schießbetrieb ein plötzliches Ende bereitete.