Wiederbegründung nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es einige Jahre, bis nach der Währungsreform und der Rückkehr der letzten Heimkehrer bei dem allmählich beginnenden wirtschaftlichen Aufschwung auch der Kaldorfer Schützenverein zu neuem Leben erwachte.

Es war 1953, als hauptsächlich auf Initiative der bereits vor dem Krieg aktiven Schützen Rupert Nieberler, Xaver Risch und Mathias Donaubauer der Verein wieder begründet wurde. Bei der Neugründungsversammlung wurde denn auch das einzige damals noch lebende Gründungsmitglied von 1910, Rupert Nieberler, zum 1. Schützenmeister berufen. Doch der mittlerweile 80-jährige Schützenveteran gab bald die Geschicke des Vereins in jüngere Hände. Er selbst wurde aus Dankbarkeit für die langjährige Treue zum Verein und in Würdigung seiner Verdienste um den Schießsport zum Ehrenschützenmeister ernannt. An der Spitze des Vereins standen nunmehr Xaver Risch als 1. Schützenmeister und Xaver Stahr als sein Stellvertreter. Josef Kirschner jun. wurde als Schriftführer und Kassier bestellt.

So begann das Jahr 1954 mit enormen Schwung und großer Begeisterung. Schon beim Eröffnungsschießen am 16. Januar 1954, das vom Schützenmeister X. Risch selbst gewonnen wurde, beteiligten sich 20 Schützen. Fast jede Woche wurde geschossen, kaum sank die Teilnehmerzahl jemals unter 15. Guten Gewissens konnte so der neubegründete Verein, der sich jetzt „Bergschützen Kaldorf“ nannte, am 21. März 1954 beim Bayerischen Sportschützenbund in München angemeldet werden.

Immer neue Schießbegeisterte schlossen sich dem Verein an, vor allem auch nach der Sommerpause, so dass das offizielle Neugründungsschießen im November des gleichen Jahres ein voller Erfolg wurde. Unter den 25 Teilnehmern holt sich wieder einmal der 1. Schützenmeister X. Risch mit einem 330 Teiler den 1. Platz. Klar, dass man sich bei einer derartigen Begeisterung – es gab ja keinen anderen Verein in Kaldorf – und bei dem nun für damalige Zeiten verhältnismäßig gesunden Polster sofort höhere Ziele steckte. Zum ersten Mal sollte ein Königschießen durchgeführt werden. Und so kämpften am Josefitag (19. Januar 1955) 22 Schützen um die Ehre des 1. Schützenkönigs in der Vereinsgeschichte. Am meisten Glück – oder vielleicht die sicherste Hand – hatte Hans Lang aus Petersbuch. Er wurde zum 1. Schützenkönig proklamiert. Schon aus dieser Tatsache wird ersichtlich, dass sich mittlerweile in der Struktur des Vereins ein Wandel vollzogen hatte. Der Schützenverein war nun endgültig nicht mehr ein rein Kaldorfer Verein, sondern in zunehmendem Maße schlossen sich auch Petersbucher und Heiligenkreuzer an.

Mit einem eigenen Schützenkönig war es aber noch nicht getan. Bei einer Mitgliederversammlung am 26. Februar 1955 im Vereinslokal Nieberler hatten sich von 19 anwesenden Mitgliedern 17 für die Anschaffung einer neuen Schützenfahne durch Unterschrift entschieden. So wurde schließlich bei der Fahnenfabrik Auer-München die Fahne, die auf der einen Seite das Bildnis des hl. Sebastian als Schützenpatron und die Kaldorfer Kirche, auf der anderen Seite Stutzen und Scheibe als Symbole des Schießsport zeigt, in Auftrag gegeben. Zeitgleich liefen die Vorbereitungen für das große Fest der Fahnenweihe am 04./05. Juni an.



Fahnenweihe am 04. und 05. Juni 1955

Fieberhaft wurden alle organisatorischen Dinge im Verein geregelt. Die äußerst aktiven Schützen von „Jura-Höhe“ aus Rupertsbuch, die im Jahr zuvor ein großartiges Schützenfest gefeiert hatten, konnten als Patenverein gewonnen werden. Das Dorf wurde auf Hochglanz herausgeputzt. Die Kaldorfer Bergschützen, laut Zeitungsbericht einer der ältesten ländlichen Schützenvereine der Umgebung, veranstalteten mit Ihrer Fahnenweihe anlässlich ihres 45-jährigen Vereinsbestehens das 1. Schützenfest dieses Jahres im Schützengau 10 Eichstätt. 22 Schützenvereine hatten ihre Teilnahme zugesagt. Über 100 Schützen aus den Orten zwischen Ingolstadt und Allersberg hatten sich zu dem mit der Fahnenweihe verbundenen Festschießen ab 21. Mai eingefunden. Auf dem Platz vor dem neuen Schulhaus, das sich zu dieser Zeit noch im Bauzustand befand und im Herbst eingeweiht werden sollte, war ein rund 30 Meter hoher Schützenbaum aufgestellt worden, geschmückt mit grünweißen Fähnchen und einer Schützenscheibe.

An 10 Schießständen sollte das Preisschießen ausgetragen werden, für das 40 Ehren –und Geldpreise von insgesamt 530 Mark zur Verfügung standen. Auf Glück und Meister standen je 30 Geldpreise von 30 bis 2 Mark, auf Punktprämie 7 Preise zwischen 10 und 2 Mark zur Verfügung.<

Die Stimmung war jedoch am Samstagabend gedrückt, als die Kapellen Chibulka- Bieswang und Rössler-Reuth a.Wald um 18 Uhr zum Standkonzert aufspielten und um 19:30 Uhr der Patenverein „Jura-Höhe“ Rupertsbuch am Ortseingang abgeholt wurde. Es schien, als ob das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen wollte. Aus grau verhangenem Himmel viel Regen. So blieb am Samstagabend der Festplatz verwaist. Die beiden Vereine feierten im Schützenlokal Nieberler einen stimmungsvollen Heimatabend.
Über Nacht klarte Gott sei Dank der Himmel auf und so schien schließlich die Sonne, als die beiden Kapellen am Festsonntag um 6 Uhr in Kaldorf und Petersbuch durch die Dorfstraßen spielten. Bald trafen die ersten Gastvereine in dem mit Fahnen und Grün geschmückten Dorf ein. Während des feierlichen Gottesdienstes in der Pfarrkirche St. Andreas vollzog H. H. Kammerer Strigl die Weihe der neuen Fahne und übergab sie den Schützen. In seiner Festansprache brachte er die Abbildungen auf der neugeweihten Fahne in Beziehung zum Vereinsleben und seinen Aufgaben. Er verwies besonders auf das Sebastiansbild, das ein Zeichen sein sollte, dass die Schützen auch als gläubige Menschen zusammentreffen sollten. Trotz ihrer irdischen Zwecke wollten die Schützen damit zum Ausdruck bringen, dass sie auch in irdischen Belangen nach den Grundsätzen des Glaubens handelten. Denn auch der Sport müsse aus der christlichen Gesinnung herauswachsen, wenn er den Menschen beglücken solle. Das Bild der Kirche von Kaldorf solle zum Ausdruck bringen, dass die Schützen die Kirche als Quell aller Gnade „beim Dorf“ lassen wollten. Dieses Bild sei eine Mahnerin, auch Christ zu bleiben, und es bekunde außerdem Heimatliebe.

An die Ansprache schloss sich die feierliche Weihe der neuen Fahne an, in deren prächtigen Tuch als Leitspruch der Reim aufgestickt ist: „Ein gutes Gewehr, des Schützen Ehr“.
Nach dem Gottesdienst folgte vor den 18 einfachen Birkenkreuzen auf dem Friedhof eine ergreifende Gefallenen- und Totenehrung, bei der die Ehrenjungfrauen zwei Gedichte sprachen. 1. Schützenmeister Risch legte als Dank an die Kriegskameraden einen Kranz nieder.

Zusammen mit der Brautjungfrau und den Ehrenjungfrauen marschierten die
Vereine anschließend zum Festplatz. Zum Festzug um 14:00 Uhr durch das Dorf war die ganze Gemeinde auf den Beinen, und es zeigte sich, dass man die Zahl der Besucher etwas unterschätzt hatte. Die Zahl der Bänke auf dem Festplatz war viel zu klein, und der Festwirt hatte Mühe, für ausreichend Biernachschub zu sorgen.

Der Festzug selbst, dem voraus die kombinierte Kapelle aus Bieswang und Reuth a.W. marschierte, führte ein festlich geschmückter offener Wagen mit dem Festausschuss, dem Ehrenschützenmeister und Jubilar Rupert Nieberler und dem Gauschützenmeister Heinlein. Nahezu 20 Schützen-, Burschen- und Kriegervereine mit 14 Fahnen beteiligten sich. Besonders gefielen, so vermeldet der Chronist, die Schützen des Patenvereins „Jura-Höhe“ Rupertsbuch, mit ihren feschen Schützenhüten.

Nach der Festansprache von Gauschützenmeister Heinlein folgte die Ehrung von verdienten Schützen mit Nadeln und Urkunden. Allen voran erhielt der 81-jährige verdiente Senior, Ehrenschützenmeister Rupert Nieberler, für 45 Jahre Mitgliedschaft die goldene Nadel. Ihm wünschte Heinlein noch viele frohe Jahre im Kreis seiner Kameraden. Nach der Übergabe der Ehrenurkunden und –zeichen befestigten die Ehrenjungfrauen die Erinnerungsbänder an die Fahnen der anwesenden Vereine.

Soweit die Berichterstattung über das bis dahin größte Ereignis in der Vereinsgeschichte, über ein Fest, das nicht nur für den Verein großartig und einzigartig war, sondern auch für das
ganze Dorf.