Zwischen den Weltkriegen

Wann nach dem 1. Weltkrieg das Vereinsleben wieder anlief, lässt sich anhand des Schießbuches nicht mehr genau ermitteln. Es ist anzunehmen, dass man sich ab 1920 wieder zum geselligen Schießen, im Jahr etwa 5-7 mal traf. Es beteiligten sich jeweils 12-14 Schützen. Neben der alten Garde tauchten nun
auch neue Namen auf: Karl Nieberle, Johann Nieberler, Simon Nieberler, Georg Kammerbauer, Xaver Risch jun, Andreas Meier, Xaver Stahr und Johann Scheurer.
Beim Schützenkränzchen am 20.02.1925 kämpften gleich 25 Schützen um den 1. Rang, freilich war dabei auch eine stattliche Abordnung aus Titting vertreten. Sieger wurde Wunibald Weidenbörner, gefolgt von Alberter (Titting) und Karl Nieberle (Kaldorf). Lehrer Fuchs war ein begeisteter Schütze, wie auch Pfarrer Dr. Schmalzl in den Jahren 1927/28 bei fast keinem Schießen fehlt. Math. Donaubauer, einer der Hauptstützen des Vereins nach dem 2. Weltkrieg, schließt sich dem Verein an, und von Petersbuch schießt dann und wann auch der Schreiner Xaver Regler mit. Er ist sozusagen das 1. und einzige Mitglied aus Petersbuch, bis im Jahre 1933 der Schneider Wunibald Bittl seine Aufnahme beantragt.

Mit dem Jahr 1929 bricht das alte Schießbuch ab; für die kommende Zeit ist nun der Chronist auf ein paar Seiten des „Tagebuches für Bergschützen- Zimmerstutzen- Gesellschaft Kaldorf“ angewiesen. Wir erfahren hier weniger über die sportlichen Leistungen der Schützen, bekommen aber zum ersten Mal einen Einblick in die Vereinsführung und in das gesellschaftliche Leben. Für den Zeitraum von 1933-36 ist hier Rupert Nieberler als Schützenmeister verzeichnet, Karl Nieberler fungiert als Schriftführer und Xaver Risch führt die Kasse. 1933 wurde 4 mal, 1934/35 2 mal und 1936 6 mal in die Kasse geschossen.

Die Einträge waren jeweils bescheiden, von 10 bis 70 Pfennig. Im Januar 1934 hielt man zur Aufbesserung der Vereinskasse eine kleine Versteigerung ab. Interessant sind die Artikel, die man damals an den Mann zu bringen versuchte:
1 Hose, Kakao, Pfeife mit Tabak, 1 Luftschlauch stabil, 1 Fahrraddecke, 1 mittlere Kuhdecke, 1 Dunggabel, 1 Roßstriegel, 1 Persil, Ohrenschützer. Einen Einblick in das gesellschaftliche Leben erhalten wir aus dem Jahre 1935 aus einer Art Büttenrede anlässlich eines Faßnachtschützenkränzchens, für das der Schreiner Karl Kirschner gegen 5 Mark die Musik lieferte. Es heißt da nach dem Motto: Nix für ungut!!!

Jahresbericht des Schützenvereins Kaldorf
Der Schützenverein Kaldorf setzt sich aus allerhand Schützen zusammen. Die letzte Generalversammlung war äußerst zahlreich besucht; vom Schützenmeister und von zwei Schützen. Die Debatte war recht lebhaft; dafür sorgte unser Schuster. Mit den Fortschritten des deutschen Schützenwesens hat der Verein stets Schritt gehalten. So besitzt er seit neuerem einen geschützten Zielstand, wozu als Schutzwand der Schützen Meister sein Gestell zum Trocknen der Kleinkinderwäsche stiftete. Er soll das aber schon bitter bereut haben, weil er das Gestell bald wieder notwendig brauchen wird. Nichts gewiss weiß man nicht. Am liebsten hält sich hinter diesem Gestell als Zieler unser Michl auf, der einmal den Kleinkindergeruch gern hat. Dort übt er Aug und Nas fürn Ehestand. Zudem soll er sich gern dort aufhalten, wo derartige Geschmäcke zu erwarten sind. Da ist er auch gleich mit seinem Stutz zur Stelle, wo was noß ist. Der Hochtenorist und Vorsinger im Verein ist der Simerl. Wenn er seine Gesangskünste zum Besten gibt, schließt er stets die Augen wie ein krähender Gockel. Vermutlich hat er auch beim Schießen die Augen geschlossen, weil er lauter Mehlsäcke schießt. Er soll sich bereits mit dem Gedanken tragen, eine Mehlsackhandlung zu eröffnen. Natürlich:
Handeln ist leichter als arbeiten. Aber sein vorsorglicher Bruder Hans hat ihn schon am Bändel, dass dem Simerl nicht wohl wird. – Der beste Schütze unseres Vereins ist der Schuster mit seinem Seidelkrügel, da setzt er niemals hintoi, sondern alle vornei. – Der bestangezogene Schütze, das ist unser Karl. Bei jedem Preisschießen eilt er des öfteren heim und berichtet seiner besseren
Ehehälfte über den Stand des Schießens!?!...



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